Verwitterte Plakate sorgen für Ärger

Nach Jürgen Kleebergs Recherchen verbirgt sich hinter dem geschmacklosen Namen eine Friedrichsdorfer Musikgruppe, die abwechselnd auch unter den Namen "Selbstverstümmelt" und "Chaos" vor allem in Jugendzentren Konzerte gibt. So wie der Friedrichsdorfer Hauptbrandmeister Horst Bender, der erst vor einigen Tagen an einem Hirntumor starb, fallen jedes Jahr viele Menschen dem Krebs zum Opfer. "Wieviele Leute haben nicht auch im eigenen Verwandtenkreis Patienten, die mit der heimtückischen Krankheit kämpfen und nach langen Qualen doch so oft verlieren", fragt sich Jürgen Kleeberg.

 

"Damit die Musiker einen Einblick in die Schicksale dieser bedauernwerten Menschen bekommen, würde ich sie gerne mal in eine Kinderkrebsklinik einladen", schlägt er vor. "Da könnte die Band mal die Leiden und das langsame Sterben sehen. Vielleicht können sie dann nachvollziehen, warum diese vielen 'Tumor-Plakate' einigen Angehörigen so einen Schmerz verursachen", so der Köpperner Jürgen Kleeberg.

 

Unsere Reaktion:

Daß solch ein Artikel nicht spurlos an uns vorübergeht, mag den einen oder anderen vielleicht erstaunen, doch man soll ja nicht vom auftreten auf den Menschen, der unter dieser Hülle steckt, schließen.

Zum Einen hat uns übel aufgestoßen, daß dieser Herr Kleeberg wohl kaum recherchiert haben kann, denn dann hätte er schnell herausgefunden, daß wir nicht mit Selbstverstümmelt und Chaos identisch sind. Und darauf legen diese beiden Bands sicher auch wert.

Zum Anderen wissen wir genau, was ein Tumor ist und haben überhaupt nicht vor, jemanden damit zu provozieren oder ihm seelische Qualen zu bereiten. In unseren Familien gab es auch tödliche Fälle von Krebs. Außerdem verstehen uns als Spaßband und wollen auf der Bühne eine gute Zeit mit unseren Fans verbringen. Über die Frage des Geschmacks läßt sich bekanntlich streiten und das Recht, sich so zu nennen wie man will, gehört ja wohl zu den Rechten der freien Meinungsäußerung. Aus gesellschaftlichen Gründen werden wir unseren Bandnamen bestimmt nicht ändern.

Deshalb haben wir an die Taunuszeitung und Herrn Kleeberg Briefe geschrieben, in denen wir unsere oben genannte Meinung sagen und Herrn Kleeberg um ein Gespräch zur Klärung der Mißverständnisse bitten.

Wir werden sehen, was daraus wird, wir halten Euch auf dem Laufenden.

 

Andere Reaktion:

Doch nicht nur wir haben auf diesen Artikel reagiert. Assinger, Gitarrist der befreundeten Band "Selbstverstümmelt", schrieb folgenden Leserbrief an die Taunuszeitung:

Provozierende Namen sind üblich

Zu einem Artikel, der die Band Tumor wegen ihres Namens kritisiert, heißt es:

Im o.g. Artikel wird durch Herrn Jürgen Kleeberg die Behauptung aufgestellt, Tumor, Selbstverstümmelt und Chaos seien ein und dieselbe Band, die nur hin und wieder ihren Namen wechselt. Hätte man die Sache recherchiert, hätte man mit Leichtigkeit herausgefunden, daß tatsächlich alle genannten Bands existieren. Die einzigen Gemeinsamkeiten sind die Musikrichtung und gelegentlich zusammen durchgeführte Auftritte.

Ich finde es dabei erstaunlich, daß die Namen der Rock-Bands, die, wie etwa Selbstverstümmelt, zum Teil schon 10 Jahre in Friedrichsdorf aktiv sind, nicht geläufig sind - denn auch Rockmusik ist Kultur, selbst wenn das der ein oder andere nicht wahrhaben will. Zum Inhalt des Artikels stellt sich mir außerdem die Frage, warum Krankheit in Deutschland ein solches Tabu-Thema ist. Dürfen die Wildecker Herzbuben in Zukunft nicht mehr ihr "Herzilein" schmettern, weil sich vielleicht jemand an einen Angehörigen, der an einem Herzleiden starb, erinnert fühlt?

Sind wir doch mal ehrlich, in der Phase der Trauer können einem Menschen, der darauf achtet, jeden Tag tausend Dinge ins Auge fallen, die ihn an die Krankheit oder den Tod des Angehörigen/Freundes erinnern. Aber wie wir alle wissen, uns aber wohl oft nicht eingestehen wollen, gehören Krankheit und Tod genauso zum Leben wie der Augenblick der Geburt und andere schöne Stunden. Die Band Tumor trägt diesen Namen auf alle Fälle nicht, um sich über Kranke lustig zu machen, sondern weil es in deren Genre wichtig und durchaus üblich ist, einen einprägsamen und möglicherweise auch provozierenden Namen zu wählen.

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