Das Chaos zum Leitmotiv erkoren

Was auf den ersten Blick wie ein Ausflug ins Irrenhaus für geistig verwirrte Musiker aussieht, ist eine ganz normale Probe der Köpperner Band TUMOR. Doch der Wahnsinn der drei Jungs hat Methode. Die 1992 gegründete Band mit musikalischen Vorbildern von Metallica bis Helge Schneider hat das Chaos zu ihrem Leitmotiv erkoren. Die antiperfektionistische haltung, ihre teilweise schwachsinnigen bis genialen Texte, die exzessive Bühnenshow und nicht zuletzt ihre laute und schwer verdauliche Musik haben den drei Blödel-Barden aus der "Volxmusikecke" zu einem riesigen Fanaufgebot im Friedrichsdorfer Raum verholfen. Keine Feier ohne Meier, und keine völlig abgefahrene Party ohne TUMOR.

 

Ob im Jugendtreff Friedrichsdorf oder auf einer Gartenparty zum Geburtstag - vor den Jungs ist nichts und niemand sicher. Wo die drei Musiker aus Leidenschaft auftauchen, ist gute Laune und Ohrensausen garantiert. Die Band zelebriert ihre Auftritte wie eine bunte, anarchistische Orgie. Kopf des Trios ist Sänger Weigel. Sein Gesang ist ein Erlebnis, mal laut, besoffen und euphorisch, dann leise - aggressiv zynisch grummelt oder brüllt er seine deutschen Texte ins Mikro, lockend und abstoßend zugleich.

Doch finden sich bei TUMOR nicht verdächtig viele Gemeinsamkeiten mit der Kultband "Selbstverstümmelt"? denn auf dem Demo klingen die Tumore ähnlich wie Verstümmelt nach einer durchzechten Nacht. Andererseits ist TUMOR technisch gesehen ungefähr drei Stufen schlechter, was ihr jedoch merkwürdigerweise nicht schadet, sondern den eigenen unerklärlichen Charme der Band nur noch erhöht.

Die Gruppe sieht das alles ganz locker. "Wir verstehen uns privat gut mit den Jungs von Selbstverstümmelt, wir treten zusammen mit ihnen auf, aber jede Band macht halt ihr eigenes Ding. Bei uns steht der Spaß zweihundertprozentig im Vordergrund. Wir sind keine Stars, wir sind wie unser Publikum, aber wir kommen trotzdem gut an." Mit einem trockenem Grinsen fügt Gitarrist Olaf hinzu: "Wir sind TUMOR, eine Kreuzung aus Verstümmelt und den Ärzten." Alle drei nicken und schütten noch mehr Bier in sich rein. "Nur Fürze schmecken besser. Schreib das ruhig auf, so heißt auch unser neues Demo", grölt Weigel und fällt fast vom Sofa.

Fazit: TUMOR, eine Band wie eine gute Party um Mitternacht - laut, witzig und besoffen.

(Taunuskurier, 6.5.1995)

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